Zins / Zinsen
Der Zins ist der Preis für die zeitweise Überlassung von Kapital. Wer Geld leiht, zahlt in der Regel Zinsen an den Kapitalgeber. Wer Geld anlegt, kann umgekehrt Zinsen als Ertrag erhalten. Die Höhe wird meist durch einen Zinssatz in Prozent pro Jahr angegeben.
Bei einer Immobilienfinanzierung gehören Zinsen zu den wichtigsten laufenden Finanzierungskosten. Sie werden grundsätzlich auf die noch offene Darlehensschuld berechnet und sind von der Tilgung zu unterscheiden: Der Zins vergütet die Kapitalüberlassung, während die Tilgung die Darlehensschuld reduziert.
Für Käufer einer Anlage-Immobilie beeinflussen Zinsen unter anderem die monatliche Rate, den Cashflow, die Eigenkapitalrendite und das Risiko einer späteren Anschlussfinanzierung. Deshalb sollte nicht nur der angebotene Sollzins betrachtet werden, sondern insbesondere auch der effektive Jahreszins, die Dauer der Zinsbindung und die verbleibende Restschuld.
Was sind Zinsen?
Zinsen sind das Entgelt für die Überlassung von Geld über einen bestimmten Zeitraum.
§ 488 BGB regelt für Darlehensverträge, dass der Darlehensgeber dem Darlehensnehmer den vereinbarten Geldbetrag zur Verfügung stellt. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen geschuldeten Zins zu zahlen und das Darlehen bei Fälligkeit zurückzuzahlen.
Je nach Perspektive können Zinsen deshalb sein:
- Kreditzinsen: Kosten für geliehenes Kapital
- Guthabenzinsen: Ertrag für bereitgestelltes beziehungsweise angelegtes Kapital
Im Zusammenhang mit Immobilien ist meist der Kreditzins für die Finanzierung gemeint.
Zins einfach erklärt
Zins einfach erklärt: Eine Bank stellt einem Käufer 200.000 Euro für eine Immobilienfinanzierung zur Verfügung. Dafür verlangt sie beispielsweise 3,5 % Zinsen pro Jahr.
Bei einer stark vereinfachten Berechnung auf den ursprünglichen Darlehensbetrag wären das:
200.000 Euro × 3,5 % = 7.000 Euro Zinsen pro Jahr
Bei einem laufend getilgten Darlehen bleibt dieser absolute Zinsbetrag jedoch nicht dauerhaft gleich. Da die Restschuld sinkt, werden die Zinsen in den folgenden Perioden auf einen geringeren Betrag berechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Zins und Zinssatz?
Die Begriffe werden im Alltag häufig gleich verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Größen.
- Zins beziehungsweise Zinsbetrag: der konkrete Geldbetrag, beispielsweise 7.000 Euro
- Zinssatz: der Prozentsatz, beispielsweise 3,5 % pro Jahr
Der Zinssatz ermöglicht es, Finanzierungskosten unterschiedlicher Darlehensbeträge besser miteinander zu vergleichen.
Wie berechnet man Zinsen?
Für eine einfache jährliche Zinsberechnung gilt:
Zinsen = Kapital × Zinssatz
Wird der Zinssatz in Prozent angegeben, lautet die Formel:
Zinsen = Kapital × Zinssatz ÷ 100
Beispiel zur Zinsberechnung
Bei einem Kapital von 300.000 Euro und einem Zinssatz von 4 % ergibt sich für ein volles Jahr vereinfacht:
300.000 Euro × 4 ÷ 100 = 12.000 Euro
Der rechnerische Jahreszins beträgt damit 12.000 Euro.
Bei einem Immobilienkredit mit laufender Tilgung wird der tatsächliche Zinsbetrag jedoch periodisch auf die jeweils verbleibende Restschuld berechnet.
Was bedeutet „p. a.“ bei Zinsen?
Die Abkürzung p. a. steht für „per annum“, also pro Jahr.
Ein Sollzinssatz von 3,5 % p. a. bezeichnet damit einen jährlichen Zinssatz von 3,5 %.
Die tatsächlichen Zahlungen können trotzdem monatlich, vierteljährlich oder in einem anderen Rhythmus erfolgen. Deshalb ist für den Vergleich von Kreditangeboten zusätzlich der effektive Jahreszins relevant.
Was ist der Sollzins?
Der Sollzins bezeichnet den Zinssatz, der auf die tatsächlich in Anspruch genommene Darlehensschuld berechnet wird.
Er bildet damit den reinen Preis für die Kapitalüberlassung ab, berücksichtigt aber nicht automatisch sämtliche zusätzlichen Kreditkosten.
Bei Immobilienfinanzierungen wird typischerweise zwischen:
- gebundenem Sollzins und
- veränderlichem Sollzins
unterschieden.
Weitere Informationen finden Sie unter Sollzins.
Was ist der Nominalzins?
Der Begriff Nominalzins wird in unterschiedlichen Finanzzusammenhängen verwendet. Bei Krediten wird er umgangssprachlich häufig für den vertraglichen Zinssatz ohne vollständige Einbeziehung weiterer Kosten verwendet.
Bei Wertpapieren bezeichnet der Nominalzins dagegen beispielsweise die Verzinsung einer Schuldverschreibung bezogen auf ihren Nennwert.
Für Immobilienkredite sollte deshalb möglichst der im Darlehensangebot verwendete Begriff Sollzinssatz genutzt und klar vom effektiven Jahreszins unterschieden werden.
Was ist der effektive Jahreszins?
Der effektive Jahreszins soll die tatsächlichen jährlichen Kreditkosten besser vergleichbar machen.
Nach § 16 Preisangabenverordnung müssen bei Verbraucherdarlehen die Gesamtkosten des Darlehens als jährlicher Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags angegeben und als effektiver Jahreszins bezeichnet werden.
In die Berechnung fließen grundsätzlich insbesondere ein:
- Zinsen,
- bestimmte bekannte kreditbezogene Kosten,
- gegebenenfalls Vermittlungskosten,
- bestimmte Kontokosten und
- unter gesetzlichen Voraussetzungen Kosten einer notwendigen Immobilienbewertung.
Nicht sämtliche mit einem Immobilienkauf verbundenen Kosten sind Bestandteil des Effektivzinses. Insbesondere Kaufpreis, Notarkosten für den Immobilienerwerb und bestimmte Grundbuchkosten werden nach der PAngV nicht allein deshalb in den Effektivzins der Finanzierung eingerechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins bildet primär die Verzinsung des Darlehenskapitals ab. Der effektive Jahreszins berücksichtigt zusätzlich bestimmte weitere preisbestimmende Faktoren des Kredits.
Vereinfacht:
- Sollzins: Zins für das geliehene Kapital
- Effektivzins: standardisierte Vergleichsgröße für die jährlichen Gesamtkosten des Verbraucherdarlehens
Beim Vergleich verschiedener Finanzierungsangebote ist der effektive Jahreszins deshalb meist aussagekräftiger als der Sollzins allein.
Allerdings sind Angebote nur dann sinnvoll vergleichbar, wenn unter anderem Darlehensbetrag, Zinsbindung, Tilgung und Vertragsstruktur ähnlich sind.
Was ist ein fester Zinssatz?
Bei einem gebundenen beziehungsweise festen Sollzinssatz wird der Zinssatz für einen vereinbarten Zeitraum festgeschrieben.
Für Immobilienfinanzierungen kann eine solche Zinsbindung die laufenden Finanzierungskosten besser planbar machen.
Der Zinssatz bleibt während der vereinbarten Bindung grundsätzlich unverändert, auch wenn das allgemeine Marktzinsniveau steigt oder fällt.
Nach Ablauf der Zinsbindung kann für eine verbleibende Restschuld eine Anschlussfinanzierung zu dann geltenden Konditionen erforderlich sein.
Was ist ein variabler Zinssatz?
Bei einem variablen Zinssatz kann sich der Darlehenszins während der Laufzeit entsprechend der vertraglichen Vereinbarung verändern.
Variable Zinsen werden häufig an einen Referenzzinssatz beziehungsweise eine vertraglich definierte Zinsanpassungsregel gekoppelt.
Dadurch können Kreditnehmer von sinkenden Zinsen profitieren, tragen aber gleichzeitig das Risiko steigender Zinskosten.
Für langfristige Immobilienfinanzierungen ist deshalb zu prüfen, wie stark die laufende Liquidität auf Zinsänderungen reagieren würde.
Was bedeutet Zinsbindung bei Immobilien?
Die Zinsbindung beziehungsweise Sollzinsbindung legt fest, wie lange der vereinbarte Sollzinssatz unverändert bleibt.
Eine längere Zinsbindung kann:
- die Planungssicherheit erhöhen,
- das Risiko kurzfristig steigender Marktzinsen reduzieren und
- gleichzeitig mit anderen Konditionen verbunden sein als eine kürzere Bindung.
Eine kurze Zinsbindung kann bei später niedrigeren Zinsen vorteilhaft sein, erhöht aber das Risiko, dass die Anschlussfinanzierung zu deutlich höheren Konditionen erfolgen muss.
Die passende Zinsbindung hängt daher nicht nur vom heutigen Zinssatz ab, sondern auch von Tilgung, Restschuld, finanziellen Reserven und Anlagehorizont.
Wie funktionieren Zins und Tilgung beim Annuitätendarlehen?
Bei einem Annuitätendarlehen besteht die regelmäßige Rate aus:
- einem Zinsanteil und
- einem Tilgungsanteil.
Während einer festen Zinsbindung bleibt die Rate grundsätzlich konstant. Da die Tilgung die Restschuld laufend reduziert, sinkt der absolute Zinsanteil der Rate. Der frei werdende Anteil fließt in eine höhere Tilgung.
Beispiel: Zins und Tilgung
Angenommen:
- Darlehen: 300.000 Euro
- Sollzins: 3,5 % p. a.
- anfängliche Tilgung: 2,0 % p. a.
Die vereinfachte anfängliche Annuität beträgt:
300.000 Euro × (3,5 % + 2,0 %) = 16.500 Euro pro Jahr
Das entspricht:
16.500 Euro ÷ 12 = 1.375 Euro pro Monat
Im ersten Jahr entfallen vereinfacht zunächst rund 10.500 Euro auf Zinsen und rund 6.000 Euro auf die anfängliche Tilgung. Die exakte Aufteilung hängt vom Zahlungsrhythmus und dem Tilgungsverlauf ab.
Warum sinkt der Zinsanteil bei laufender Tilgung?
Der Zins wird grundsätzlich auf die noch offene Darlehensschuld berechnet.
Sinkt die Restschuld durch Tilgungszahlungen, sinkt bei unverändertem Zinssatz auch der darauf entfallende Zinsbetrag.
Beispiel bei 4 % Zins:
- Restschuld 300.000 Euro: vereinfacht 12.000 Euro Jahreszins
- Restschuld 250.000 Euro: vereinfacht 10.000 Euro Jahreszins
- Restschuld 200.000 Euro: vereinfacht 8.000 Euro Jahreszins
Das erklärt, warum bei einem Annuitätendarlehen innerhalb der konstanten Rate der Tilgungsanteil mit der Zeit steigt.
Was sind Bereitstellungszinsen?
Bereitstellungszinsen können anfallen, wenn eine Bank einen vereinbarten Darlehensbetrag zur Auszahlung bereithält, dieser aber noch nicht vollständig abgerufen wurde.
Sie sind vom regulären Sollzins zu unterscheiden:
- Sollzinsen fallen auf den ausgezahlten beziehungsweise in Anspruch genommenen Darlehensbetrag an.
- Bereitstellungszinsen können auf noch nicht abgerufene, aber bereitgestellte Darlehensteile anfallen.
Das ist insbesondere bei Neubauten, Bauträgerprojekten oder längeren Auszahlungsphasen relevant.
Entscheidend sind die vertraglich vereinbarte bereitstellungszinsfreie Zeit und der anschließend geltende Bereitstellungszinssatz.
Was ist ein Disagio?
Ein Disagio bezeichnet vereinfacht die Differenz zwischen dem nominal vereinbarten Darlehensbetrag und dem tatsächlich ausgezahlten Betrag, wenn das Darlehen unter 100 % ausgezahlt wird.
Beispiel:
- Darlehensnominalbetrag: 100.000 Euro
- Auszahlung: 95.000 Euro
- Disagio: 5.000 Euro beziehungsweise 5 %
Ein Disagio kann mit einem niedrigeren Sollzins verbunden sein. Für die wirtschaftliche Beurteilung sollte deshalb der effektive Jahreszins betrachtet werden und nicht allein der ausgewiesene Sollzins.
Was sind Verzugszinsen?
Verzugszinsen entstehen, wenn eine fällige Geldforderung nicht rechtzeitig bezahlt wird und die gesetzlichen Voraussetzungen des Verzugs vorliegen.
Sie sind nicht mit dem normalen Kreditzins eines Immobilienkredits gleichzusetzen.
Die Höhe gesetzlicher Verzugszinsen orientiert sich an dem Basiszinssatz nach § 247 BGB und den Zuschlägen des § 288 BGB.
Der Basiszinssatz wird von der Deutschen Bundesbank jeweils zum 1. Januar und 1. Juli eines Jahres neu bestimmt und veröffentlicht.
Was ist der Zinseszinseffekt?
Beim Zinseszinseffekt werden erwirtschaftete Zinsen nicht entnommen, sondern dem Kapital zugeschlagen. In der nächsten Periode werden dann auch diese bereits gutgeschriebenen Zinsen mitverzinst.
Die vereinfachte Formel lautet:
Endkapital = Anfangskapital × (1 + Zinssatz)Laufzeit
Beispiel für Zinseszinsen
10.000 Euro werden für zehn Jahre zu angenommenen 4 % pro Jahr angelegt, wobei die Erträge vollständig wiederangelegt werden.
Vereinfacht ergibt sich:
10.000 Euro × 1,0410 = rund 14.802 Euro
Der Gesamtertrag beträgt damit rund 4.802 Euro. Ohne Wiederanlage der Zinsen wären bei einer einfachen Verzinsung über zehn Jahre lediglich 4.000 Euro Zins entstanden.
Was ist der Unterschied zwischen nominalem und realem Zins?
Der nominale Zinssatz berücksichtigt die allgemeine Preisentwicklung nicht.
Der reale Zinssatz betrachtet dagegen die Verzinsung nach Berücksichtigung der Inflation.
Als Näherung gilt:
Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate
Genauer kann gerechnet werden:
Realzins = ((1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflation) − 1) × 100
Bei 4 % nominaler Verzinsung und 2 % Inflation beträgt der reale Zinssatz rund 1,96 %.
Wie entstehen Immobilienzinsen?
Die Konditionen für Immobilienkredite werden von mehreren Faktoren beeinflusst.
Dazu gehören unter anderem:
- allgemeines Kapitalmarkt- und Zinsniveau,
- Dauer der Sollzinsbindung,
- Beleihungsauslauf beziehungsweise Verhältnis von Kredit zu Immobilienwert,
- Bonität des Darlehensnehmers,
- Höhe und Struktur des Darlehens,
- Tilgung und Vertragsoptionen sowie
- geschäftspolitische Kalkulation des Kreditinstituts.
Der Leitzins einer Zentralbank beeinflusst das allgemeine Zinsumfeld, der konkrete Immobilienzins wird aber nicht einfach eins zu eins aus einem einzelnen Leitzins abgeleitet.
Welche Bedeutung haben Zinsen für Immobilienpreise?
Zinsen können Immobilienmärkte auf mehreren Ebenen beeinflussen.
Steigende Finanzierungskosten können beispielsweise:
- die finanzierbare Kreditsumme von Käufern reduzieren,
- die monatliche Belastung erhöhen,
- die Nachfrage nach bestimmten Immobilien beeinflussen und
- die Renditeanforderungen von Investoren verändern.
Sinkende Zinsen können die Finanzierung dagegen erleichtern.
Der Zusammenhang ist jedoch nicht mechanisch. Immobilienpreise werden zusätzlich von Angebot, Nachfrage, Einkommen, Bautätigkeit, Lage, Mieten, Regulierung und vielen weiteren Faktoren bestimmt.
Wie beeinflussen Zinsen die Rendite einer Anlage-Immobilie?
Bei einer fremdfinanzierten Anlage-Immobilie sind Schuldzinsen ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierungskosten.
Vereinfacht gilt:
- höhere Zinsen erhöhen die laufenden Finanzierungskosten,
- niedrigere Zinsen reduzieren bei gleicher Restschuld die Finanzierungskosten,
- Tilgung beeinflusst zusätzlich die Liquidität und Restschuld.
Für die Rendite sollte deshalb nicht nur die Miete dem Kaufpreis gegenübergestellt werden. Auch Finanzierung, nicht umlagefähige Kosten, Instandhaltung, Leerstand und weitere Faktoren sind relevant.
Zinsen und Leverage-Effekt
Der Leverage-Effekt beschreibt, wie Fremdkapital die Eigenkapitalrendite einer Investition beeinflussen kann.
Vereinfacht gilt:
Liegt die Gesamtkapitalrendite über den Fremdkapitalkosten, kann Fremdkapital die Eigenkapitalrendite erhöhen.
Liegt der Fremdkapitalzins dagegen über der Rendite des Gesamtkapitals, kann der Hebel negativ wirken.
Deshalb ist ein niedriger Fremdkapitalzins für sich genommen noch kein ausreichender Grund für eine hohe Fremdfinanzierung. Das Objekt muss die Finanzierungskosten langfristig tragen können.
Wie wirken sich steigende Zinsen auf eine Anschlussfinanzierung aus?
Ist am Ende der Zinsbindung noch eine Restschuld vorhanden, muss diese häufig neu finanziert werden.
Steigt der Anschlusszins, kann die monatliche Rate deutlich höher ausfallen – insbesondere bei:
- hoher Restschuld,
- niedriger bisheriger Tilgung und
- großer Differenz zwischen altem und neuem Zinssatz.
Eine höhere anfängliche Tilgung kann die Restschuld bis zum Ende der Zinsbindung reduzieren und damit das Zinsänderungsrisiko der Anschlussfinanzierung begrenzen. Sie erhöht allerdings die laufende Rate.
Was bedeutet eine vorzeitige Ablösung für die Zinsen?
Wird ein festverzinsliches Darlehen vor Ablauf der geschützten Zinsbindung vorzeitig zurückgezahlt, kann der Bank ein Zinsschaden entstehen.
Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann deshalb eine Vorfälligkeitsentschädigung anfallen.
Die mögliche Forderung hängt unter anderem von:
- Restschuld,
- verbleibender Zinsbindung,
- Vertragszins,
- aktuellem Zinsniveau und
- vertraglichen Sondertilgungsrechten
ab.
Sind Kreditzinsen bei vermieteten Immobilien steuerlich absetzbar?
Bei einer vermieteten Immobilie können Schuldzinsen grundsätzlich Werbungskosten sein, soweit sie mit den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung wirtschaftlich zusammenhängen.
§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 EStG nennt Schuldzinsen ausdrücklich als Werbungskosten, soweit der erforderliche wirtschaftliche Zusammenhang mit einer Einkunftsart besteht.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Tilgung:
- Zinsen: können bei entsprechender steuerlicher Veranlassung als Werbungskosten relevant sein.
- Tilgung: ist die Rückzahlung des Darlehens und grundsätzlich keine Werbungskostenposition.
Ob und in welchem Umfang Zinsen im konkreten Fall steuerlich berücksichtigt werden können, hängt von der tatsächlichen Verwendung des Darlehens und der individuellen steuerlichen Situation ab.
Warum sind niedrige Zinsen nicht automatisch eine gute Finanzierung?
Der Zinssatz ist nur ein Teil der Finanzierungsentscheidung.
Zusätzlich relevant sind insbesondere:
- Höhe des Darlehens,
- Tilgungssatz,
- Zinsbindung,
- Restschuld,
- Sondertilgungsrechte,
- Bereitstellungszinsen,
- weitere Kreditkosten,
- Liquiditätsreserve und
- Tragfähigkeit bei einer späteren Anschlussfinanzierung.
Für Anlage-Immobilien kommen Mieteinnahmen, Objektkosten, Leerstand, Instandhaltung und die wirtschaftliche Qualität des Investments hinzu.
Ein besonders niedriger Sollzins sollte deshalb nicht isoliert über die Finanzierungsentscheidung entscheiden.
Worauf sollten Anleger beim Vergleich von Immobilienkrediten achten?
Beim Vergleich verschiedener Darlehensangebote sollten die wesentlichen Parameter möglichst identisch sein.
Zu prüfen sind insbesondere:
- Sollzins,
- effektiver Jahreszins,
- Dauer der Zinsbindung,
- anfänglicher Tilgungssatz,
- monatliche Rate,
- Restschuld am Ende der Zinsbindung,
- Sondertilgungsrechte,
- Möglichkeiten zum Tilgungssatzwechsel,
- Bereitstellungszinsen und bereitstellungsfreie Zeit sowie
- weitere vertragliche Kosten und Bedingungen.
Nur bei vergleichbaren Annahmen lässt sich beurteilen, welches Angebot tatsächlich wirtschaftlich günstiger ist.
Welche Bedeutung haben Zinsen für Anlage-Immobilien?
Zinsen verbinden bei einer fremdfinanzierten Anlage-Immobilie die Finanzierung mit der Wirtschaftlichkeit des Objekts.
Sie beeinflussen:
- monatlichen Cashflow,
- laufende Finanzierungskosten,
- Eigenkapitalrendite,
- Leverage-Effekt,
- Restschuld,
- Anschlussfinanzierungsrisiko und
- gegebenenfalls steuerlich relevante Werbungskosten.
Für die Investitionsentscheidung sollten Zinsen deshalb gemeinsam mit Kaufpreis, Miete, Erwerbsnebenkosten, Tilgung, Bewirtschaftungskosten, Instandhaltung, Standort und langfristiger Vermietbarkeit betrachtet werden.
Häufige Fragen zu Zins und Zinsen
Was ist ein Zins einfach erklärt?
Der Zins ist der Preis für die zeitweise Überlassung von Geld. Bei einem Kredit zahlt der Darlehensnehmer Zinsen an den Kreditgeber.
Wie berechnet man Zinsen?
Vereinfacht werden Kapital und Zinssatz miteinander multipliziert. Bei einem Kredit mit laufender Tilgung wird der Zins regelmäßig auf die noch offene Restschuld berechnet.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der Zinssatz für das Darlehenskapital. Der effektive Jahreszins berücksichtigt zusätzlich bestimmte weitere Kosten und eignet sich deshalb besser zum Vergleich ähnlicher Kreditangebote.
Was ist der Unterschied zwischen Zins und Tilgung?
Zinsen sind Finanzierungskosten. Tilgung ist die Rückzahlung des Darlehensbetrags und reduziert die Restschuld.
Warum sinken die Zinsen bei einem Annuitätendarlehen?
Der Zinssatz muss nicht sinken. Der absolute Zinsbetrag sinkt, weil die Restschuld durch die laufende Tilgung kleiner wird.
Was bedeutet 4 % Zinsen?
Bei einer vereinfachten Jahresbetrachtung entstehen auf 100.000 Euro Kapital bei 4 % Zinssatz 4.000 Euro Zinsen pro Jahr. Bei Krediten mit Tilgung verändert sich die Berechnungsbasis im Zeitverlauf.
Sind Zinsen bei vermieteten Immobilien steuerlich absetzbar?
Schuldzinsen können grundsätzlich Werbungskosten sein, soweit das Darlehen wirtschaftlich mit steuerpflichtigen Vermietungseinkünften zusammenhängt. Die konkrete steuerliche Zuordnung ist im Einzelfall zu prüfen.
Was ist der Zinseszinseffekt?
Beim Zinseszinseffekt werden bereits erzielte Zinsen wieder angelegt und in späteren Perioden selbst mitverzinst.
Was passiert, wenn die Zinsen nach der Zinsbindung steigen?
Für eine verbleibende Restschuld kann eine Anschlussfinanzierung zu höheren Konditionen erforderlich werden. Dadurch kann die monatliche Rate beziehungsweise die gesamte Zinsbelastung steigen.
Quellen und weiterführende Informationen
- § 488 BGB – Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag
- § 16 PAngV – Effektiver Jahreszins bei Verbraucherdarlehen
- Anlage zur PAngV – Berechnung des effektiven Jahreszinses
- § 9 EStG – Schuldzinsen als Werbungskosten bei wirtschaftlichem Zusammenhang
- Deutsche Bundesbank – Was sind Zinsen?
- Deutsche Bundesbank – Zinsstatistik für Wohnungsbaukredite
- Deutsche Bundesbank – Basiszinssatz nach § 247 BGB
- Verbraucherzentrale – Immobilienfinanzierung und tragfähige Kreditrate
- Deutschland.Immobilien – bisheriger Glossareintrag Zins
- Deutschland.Immobilien – Sollzins
- Deutschland.Immobilien – Effektivzins
- Deutschland.Immobilien – Annuitätendarlehen
- Deutschland.Immobilien – Leverage-Effekt
- Deutschland.Immobilien – Vorfälligkeitsentschädigung
Stand: September 2026.
Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Finanzierungs-, Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.